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Ethikunterricht mal anders – Wenn Kant, Bonhoeffer und Freud plötzlich antworten

Der Ethikunterricht ist vielseitig: neben kontroversen Diskussionen, Meinungslinien, vielfältige Gruppen-, Partner- und Textarbeit erweitert sich der Ethikunterricht um neue digitale Möglichkeiten. Eine davon hat in der Ethikgruppe der V10 A-C für besonders viel Neugier – und gelegentlich auch für ungläubiges Staunen – gesorgt: Schülerinnen und Schüler konnten mithilfe eines Chatbots direkte Gespräche mit Immanuel Kant, Dietrich Bonhoeffer und Sigmund Freud führen.

Was zunächst nach Science-Fiction klang, erwies sich schnell als eine überraschend lebendige Unterrichtsmethode. Die Jugendlichen nutzten den Chatbot, um philosophische, psychologische und religiöse Grundgedanken nicht nur zu lesen, sondern mit den Denkern selbst – oder zumindest mit deren digital nachgebildeter Stimme – auszuhandeln.

„Herr Kant, was ist Ihr Verständnis von Gewissen?“
„Herr Bonhoeffer wie entsteht Ihrer Meinung nach Gewissen? Und wie können wir mit unserem Gewissen umgehen?“
„Herr Freud was ist das Es, das Ich und das Über-Ich überhaupt?“

Im Rahmen des Lernbereichs 2 „Gewissen und Verantwortung“ wurde der Chatbot nicht nur eingesetzt, um theoretisches Wissen zu verstehen, sondern auch praktische Fragen konnten gestellt werden.

Der interaktive Zugang machte abstrakte Konzepte anschaulicher. Die Hemmschwelle zu philosophischen Fragen ist durch die Chat-Experimente deutlich gesunken. Jugendliche, die sich sonst wenig am Unterrichtsgespräch beteiligen, stellten dem digital rekonstruierten Kant ohne Scheu kritische Fragen.

Der Chatbot wurde nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung verstanden: ein Werkzeug, das historisches Wissen lebendig macht und zum Weiterdenken anregt.

 

Susanne Knoll